BRIDGE

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Geschichte in Kurzform

Als Vorläufer von Bridge gilt Whist, das aus England stammt und 1529 erstmals erwähnt wurde. Bridge scheint sich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelt zu haben, die genauen Umstände sind allerdings unklar. Man geht davon aus, dass der Ursprung in Russland oder der Türkei liegt. Laut einer Theorie erfanden britische Soldaten Bridge während des Krimkrieges (1853–1856), laut einer anderen kam es in Istanbul um 1860 auf. Ende des 19. Jahrhunderts fand Bridge seinen Weg nach New York und London. Im Gegensatz zu Whist lag bereits ein Blatt offen am Tisch, es existierte aber noch kein Reizen wie beim Kontrakt-Bridge.

Das Reizen, also das Element der Versteigerung, wurde 1903 oder 1904 mit Auktions-Bridge eingeführt. Auktions-Bridge entstand in Indien und verdrängte Whist und Bridge. Es war sehr populär, bis es 1926 dem Kontrakt-Bridge weichen musste. Bei Auktions-Bridge werden alle Stiche für Prämien von Vollspiel und Schlemm gezählt, egal ob der Alleinspieler sie während des Reizens angesagt hat oder nicht. Daher versuchen die Spieler, möglichst wenig Stiche anzusagen. Dies wurde 1918 in Frankreich mit Plafond geändert, dabei zählen nur angesagte Stiche für die Prämien.

Harold S. Vanderbilt führte die unterschiedlichen Gefahrenlagen ein, änderte die Abrechnungstabelle und taufte das neue Spiel Kontrakt-Bridge. Am 1. November 1925 erprobte er im Rahmen einer Schiffsreise zum ersten Mal die neuen Regeln. Bis heute blieben sie unverändert, abgesehen von zwei kleineren Änderungen bei der Abrechnung. Innerhalb weniger Jahre verschwanden alle älteren Varianten von Bridge. Unter Bridge versteht man heute ausschließlich Kontrakt-Bridge.
1928 wurde die erste nationale Meisterschaft in den USA ausgespielt: der Vanderbilt Cup (Vanderbilt Knockout Teams).
1960 für Vanderbilt Trophy wurde die erste vierjährige World Team Olympiade ausgespielt, die seit 2008 Teil der Weltdenksportspiele ist.

In den 30er Jahren trug Ely Culbertson zur Verbreitung von Kontrakt-Bridge in den USA bei. Das von ihm entwickelte Bietsystem war das erste, welches eine größere Anhängerschaft hatte. Er schrieb mehrere erfolgreiche Bücher, dominierte das Bridgelehrerwesen und gründete 1929 die Zeitschrift The Bridge World, die für die Bridgewelt auch heute noch von Bedeutung ist. 1932 wurde die International Bridge League gegründet. Im selben Jahr fand die erste Europameisterschaft statt, 1935 die erste Weltmeisterschaft.

Charles Goren übernahm in den 1940er Jahren Culbertsons Rolle im Bridge. Er führte von 1944 bis 1962 die amerikanische Rangliste an. Das Time Magazin druckte ihn 1958 auf der Titelseite ab. Als Neuerung benutzte er in seinem System Standard American die noch heute verwendete Punktezählung nach Milton Work (Ass=4, König=3, Dame=2, Bube=1). Anfängern wurde der Einstieg ins Bridge dadurch erleichtert, was wiederum einen Bridge-Boom auslöste.

1958 wurde in Oslo die World Bridge Federation (WBF) gegründet. Die erste Europameisterschaft nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1948 in Kopenhagen ausgetragen. Die bereits vor dem Weltkrieg durchgeführten Wettkämpfe zwischen den USA und Europa wurden 1950 auf Bermuda wiederbelebt. Daraus entwickelte sich die Weltmeisterschaft, die als Bermuda Bowl bezeichnet wird und seit 1977 alle 2 Jahre stattfindet. Von 1957 bis 1975 gewann Italien mit seinem Blue Team dreizehn von fünfzehn Weltmeisterschaften (1970 und 1971 traten sie nicht an). Von 1976 bis 1987 konnten sich wieder die USA durchsetzen.

Turnier-Auswertung

Einfache Darstelleung

Im Bridge unterscheiden wir zwischen Paar- und Teamturnieren. Um die Weltmeisterschaft zum Beispiel kämpfen Teams. Die "normalen" Turniere in unserem Bridgeclub sind Paarturniere. Gelegentlich werden auch Teamturniere gespielt. Beim Paarturnier ermittelt man die Resultate über sogenannte matchpoints (MP). Beim Teamturnier werden IMPs (international matchpoints) verwendet, was eine völlig andere Auswertung mit sich bringt. So ist es beim Paarturnier besonders wichtig, Überstiche zu erzielen, während es beim Teamturnier hauptsächlich darauf ankommt, den Kontrakt zu erfüllen. Überstiche werden nur minimal bewertet, Nichterfüllung des gereizten Kontrakts wird jedoch schwer bestraft, wenn er anderswo erfüllt wird.

Prozentzahlen beim Paarturnier

Die Auswertung eines Turniers beginnt im ersten Schritt mit dem Ergebnis aus dem gespielten Kontrakt (score), welches man man aus der Rückseite der Karten in der Biet Box ablesen kann. Dabei werden Gefahr und Nichtgefahr (rot und grün) berücksichtigt. Das folgende einfache Beispiel zeigt auf, wie man vom score zu Prozenten kommt. Wir verwenden hier ein einfaches Beispiel von 4 Tischen, wobei jedes Board an allen Tischen gespielt wird. Das ergibt 6 matchpoints pro Tisch, die für jedes Board zwischen den beiden das Board spielenden Paaren verteilt werden.

Wenn nicht alle Boards an allen Tischen gespielt werden, gibt es für die betreffenden Boards weniger MP zu verteilen. Die Zahl der pro Board zu verteilenden MP hängt von der anzahl der Tische ab. In diesem Beispiel werden alle Boards an allen Tischen gespielt.

Anzahl Tische MP pro Tisch
2 2
3 4
4 6
5 8
6 10
7 12

Erstes Beispiel, Board 1 niemand in Gefahr

Kontrakt gespielt von Stiche NS score OW score NS MP NS Prozent OW MP
3 SA NS 1 9 +400 (-400) 4 67 2
3 SA NS 2 10 +430 (-430) 6 100 0
2 SA NS 3 10 +150 (-150) 2 33 4
3 SA NS 4 8 (-50) +50 0 0 6

Paar NS 1 erhält für jedes andere Paar, das ein schlechteres score hat je 2 MP. Bei Gleichheit der scores erhält jedes der betroffenen Paare 1 MP anstatt 2.

Die Summe der MP in jeder Zeile muss 6 sein. Beim score erschein beim Paar OW immer das negative der Paares NS. Die Prozentzahl ergibt sich wie folgt: % = MP erzielt/MP max. NS 1 erhält somit 4/6=66,66... ~ 67%.

Beispiel Board 4 am zweiten Tisch wurde durchgepasst. Es gibt kein score, doch die MP werden wie immer zugeteilt. Mit -50 liegen zwei andere Paare unter NS 2. Also erhält NS 2 4 MP. Die anderen zwei MP gehen an OW 2.

Kontrakt gespielt von Stiche NS score OW score NS MP NS Prozent OW MP
1 SA NS 1 7 +90 (-90) 6 100 0
pass NS 2, OW - - - 4 67 2
1 SA NS 3 6 (-50) +50 1 17 5
1 SA NS 4 6 (-50) +50 1 17 5

Die Prozentzahlen für OW ergeben sich wie folgt: %OW = 100 - %NS

Bei der Endabrechnung des Paarturniers wird die von jedem Paar erzielte Anzahl MP durch die Maximal erzielbare Anzahl geteilt und das Ergebnis wird in Prozent ausgedrückt.

 

Duke of Cumberland Hand

Ihren Namen verdankt diese Austeilung der folgenden Anekdote: Als Ernst August, ein Sohn des englischen Königs George III. und Herzog von Cumberland, bei einer Whist-Partie in Bath ein ganz hervorragendes Blatt erhielt, erklärten ihm seine Mitspieler, dass sie die Karten in einer bestimmten Reihenfolge geordnet hätten und er trotz aller Stärken seines Blattes keinen einzigen Stich gewinnen könne. Der Herzog von Cumberland soll £ 20.000 dagegen gewettet haben, die er auch prompt verlor.

Ian Fleming setzte der Duke of Cumberland Hand im Roman Moonraker ein literarisches Denkmal: Nachdem James Bond seinen Gegenspieler Sir Hugo Drax bei einer Bridge-Partie im Londoner Blades Club als Falschspieler überführt hat, vertauscht Bond die Kartenpäckchen und teilt sodann die Karten von einem entsprechend sortierten Paket, so dass Sir Hugo das Blatt des Herzogs von Cumberland erhält.

  Nord James Bond  
 
 
 
 
 
Q 8 7 6 5 4 3 2
 
 
A Q 10 8 4
 
West Sir Hugo Drax   Ost Max Meier
A K Q J
 
6 5 4 3 2
A K Q J
 
10 9 8 7 2
A K
 
J 10 9
K J 9
 
  Süd M  
 
10 9 8 7
 
 
6 5 4
 
 
 
 
7 6 5 3 2
 

Nord eröffnet als Teiler das Lizit mit dem Gebot 7 ; Ost und Süd passen, West kontriert, Nord gibt Rekontra, worauf Ost, Süd und West passen.

Ost greift mit dem  J an – es ist allerdings gleichgültig, welche Karte Ost ausspielt, Nord kann den Kontrakt in jedem Fall erfüllen.

Sollte Ost mit Pique oder Cœur angreifen, so sticht Nord mit  4, setzt mit  2 fort und erfüllt den Kontrakt in analoger Weise.

Quelle

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Bridge_(Kartenspiel)